Darlingtonia, die Kobralilie

<-


Wenn es einen Schöpfer gab, was mag er sich bei dieser Pflanze wohl gedacht haben? Schlauchförmige Kannenblätter wachsen direkt aus dem Wurzelstock und münden in einen verdickten "Kopfbereich", auf dessen Unterseite ein gespaltener Fortsatz aus einer Öffnung herauswächst. Die Komplexität der Falle ist bewundernswert. Nektardrüsen auf der "Zunge" und im Inneren der Kuppel locken die Beuteinsekten an. Transparente Flecken im Pflanzengewebe auf der Oberseite vermitteln die Illusion, nach oben wegfliegen zu können. Die verwirrten Insekten stürzen über kurz oder lang in den "Schlund" der Pflanze, der mit glitschigen Gleitzonen und nach unten wachsenden Haaren ausgestattet ist. Im unteren Bereich des Blattes wird die Beute zersetzt und aufgesaugt. Wie bei allen kannenbildenden Pflanzen wird das Schlauchblatt im Laufe der Zeit immer mehr von den unverdaulichen Chitinpanzern der gefangenen Beute verstopft. Die Pflanze löst dieses Entsorgungsproblem durch das Bilden neuer Blätter.

Kobralilie mit Fliege mit Sonnenschutz Schlauchblatt Nahaufnahme
1 2 3 4

Bild 1: Darlingtonia californica im Tontopf
Bild 2: eine unvorsichtige Fliege sitzt neugierig auf dem "Schlangenkopf"
Bild 3: Darlingtonien-Töpfe mit Sonnenschutz (siehe Kulturhinweise)
Bild 4: Nahaufnahme eines Darlingtonia-Schlauchblatts

Ein Klick auf das jeweilige Bild zeigt dessen hochauflösende Version.


Kultur der Kobralilie

Bei der Kultur dieser bizzaren Pflanze muß man ein wenig an ihre Herkunft denken. Wild wächst die einzige Art dieser Gattung, Darlingtonia californica, in den Bergen an der Westküste der USA, in den Bundesstaaten Kalifornien und Oregon. Darlingtonia kommt nur vor in unmittelbarer Nähe ständig fließenden Gewässers, das von der Schneeschmelze gespeist wird. Dadurch ergibt sich ein deutliches Gefälle zwischen Luft- und Bodentemperatur: Die Kobralilie benötigt "kalte Füße".

Um den Wurzelstock kühler als die umgebende Luft zu halten, wird Darlingtonia in großzügig bemessene Tontöpfe gepflanzt, die in der Vegetationszeit im Anstauverfahren bewässert werden (d.h. der Topf steht einige cm Tief in Regenwasser). Durch Verdunstungskälte an der Topf-Außenwand wird die notwendige Kühlung gewährleistet. Zusätzlich sind die Töpfe in meiner Kultur durch eine dicke weiße Kunststoffolie gegen direkte Sonneneinstrahlung abgeschirmt. Als Substrat verwende ich lebendes Torfmoos (Spaghnum), dem etwas Quarzsand beigemischt ist. Auf keinem Fall dürfen andere Moosarten verwendet werden! Lockere Torf/Sandgemische sollen auch ganz brauchbar sein, jedoch habe ich hier noch keine Erfahrungen gesammelt.

Um dem natürlichen Bedürfnis der Pflanze nach hoher Luftfeuchtigkeit gerecht zu werden, verwende ich für meine Darlingtonien einen recht großen Untersetzer als Wasserspeicher, der für zusätzliche Verdunstung sorgt. Wer einen Gartenteich sein eigen nennt, sollte die Pflanze in der warmen Jahreszeit in unmittelbarer Nähe des Wassers an einer windgeschützten Stelle plazieren. Im Winter erhält die Pflanze weniger Wasser, sie wird aber immer feucht gehalten.

Darlingtonia ist keine Zimmerpflanze und geht im Haus sehr schnell ein! Als Gebirgspflanze benötigt sie deutlich niedrigere Temperaturen in der Nacht, kommt dafür aber auch ganz gut mit unserem Klima zurecht und verträgt auch leichte Fröste. Abgesehen von heißen Sommertagen, an denen die Pflanze leicht schattiert werden sollte, benötigt die Kobralilie viel Sonne. Meine Pflanzen stehen an frostfreien Tagen draußen und verbringen ihre winterliche Ruhephase (die mit einem mehrmonatigen Wachstumsstopp einhergeht) in einem ungeheizten Kellerraum in der Nähe eines großen Westfensters. Bedingt durch den Frischluftaufenthalt während der Wachstumszeit fangen die Pflanzen viele Insekten, weshalb ich auf eine Düngung vollständig verzichte.


Interessante Links

Growing Darlingtonia mit Kulturerfahrungen; von Frank Udovicic (engl. Sprache)

Weitere kannenbildende Pflanzen:

 

Pflanzen mit anderen Fallentypen:

Cephalotus, der Zwergkrug   Dionaea, die Venusfliegenfalle
Heliamphora, der Sumpfkrug   Drosera, der Sonnentau
Nepenthes, die tropische Kannenpflanze   Drosophyllum, das Taublatt
Sarracenia, die Schlauchpflanze   Pinguicula, das Fettkraut
  Roridula, die halbkarnivore Taupflanze

<-