Drosophyllum, das Taublatt

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Das Taublatt ähnelt auf dem ersten Blick einem großen Sonnentau, und tatsächlich besteht zwischen beiden Gattungen eine Verwandtschaft. Die unterschiedliche Blütenbiologie hat die Botaniker jedoch veranlaßt, beide Pflanzen ind zwei verschiedene Gattungen zu ordnen. Die Gattung Taublatt kennt hierbei nur eine einzige Art, Drosophyllum lusitanicum.

Taublätter kommen wild vor in Portugal, Südspanien und auf dem marrokanischen Nordzipfel an der Straße von Gibraltar. Die Pflanze wächst auf sehr trockenen und sandigen Böden, benötigt jedoch die Nähe der Meeresküste mit ihren allmorgendlichen Nebeln, die offensichtlich essentiell zur Wasserversorgung dieser Pionierpflanze beitragen.

Die schmalen, länglichen Blätter des Taublatts durchlaufen mehrere Entwicklungsstufen: Zunächst wächst jedes Blatt nach oben, wobei es sich wie eine Uhrfeder entrollt. Im Laufe der Zeit sinkt das Blatt immer weiter nach unten, um schließlich nach nur einigen Wochen Lebenszeit abzutrocknen. Die abgestorbenen Blätter verbleiben am Stamm und bilden nach und nach ein dichtes Buschwerk, das ultraviolettes Licht reflektiert und damit Insekten anlockt.

Im Gegensatz zum Sonnentau sind die Klebehäärchen von Drosophyllum unbeweglich. Der Kleber ist jedoch recht zäh, so daß das Taublatt auch größere Insekten wie fette Stubenfliegen oder kleine bis mittelgroße Nachtfalter fangen kann. Beim Wechsel von Sonneneinstrahlung zu Schatten verströmt die Pflanze für einige Minuten einen starken, honigartigen Duft, der scharenweise Fliegen anlockt und dem Taublatt einen reich gedeckten Tisch bereitet.

Blattwerk Nahaufnahme Blütenknospe Blüte Nahaufnahme Samenkapsel Drosophyllum
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Bild 1: Ein Blick auf das Blattgewusel einer Drosophyllum-Pflanze
Bild 2A: Blütenknospe des Taublatts
Bild 2B: Nahaufnahme einer Blüte
Bild 2C: Reifende Samenkapsel
Bild 3: Gesamtansicht eines Taublatts; gut zu erkennen sind die alten, abgestorbenen Blätter

Ein Klick auf das jeweilige Bild zeigt dessen hochauflösende Version.


Kultur des Taublatts

Drosophyllum mag einen hellen, sonnigen, luftigen Stand und verträgt aufgrund seiner Herkunft im Sommer auch höhere Temperaturen, sofern für ausreichend Belüftung gesorgt ist. In der warmen Jahreszeit sollte die Pflanze draußen an einem wind- und regengeschützen Ort stehen, wo sie für mindestens einige Stunden direkte Sonne erhält. Den Winter über vebringt mein Taublatt in einem ungeheizten Raum unter Kunstlicht.

Ein kritischer Punkt bei der Pflege des Taublatts ist die Bewässerung (die wie bei allen anderen fleischfressenden Pflanzen mit sehr weichem Wasser vorgenommen werden muß). Das Substrat sollte immer ein klein wenig feucht gehalten werden. In der Praxis hat es sich bewährt, so lange zu warten, bis das Substrat sehr trocken geworden ist (Topfgewicht!), und dann mäßig zu gießen. An heißen Sommertagen darf etwas stärker gegossen werden, jedoch ist Staunässe strikt zu vermeiden, da die Wurzeln der Pflanze sehr schnell zu faulen beginnen!

Die hohe Wurzelempfindlichkeit verbietet auch jegliches Umtopfen des Taublatts! Samen werden einzeln in die endgültigen Kulturtöpfe gesäät, die mit allerbestem Substrat gefüllt sein müssen. Eine Düngung der Pflanze findet nicht statt, ist insbesondere bei Freiluftaufenthalt auch nicht notwendig, da die Pflanze an einem guten Standort reichlich Insekten fängt.

Über die Zusammensetzung des Substrats kann ich leider nur wenig sagen: Meine einzige Taublatt-Pflanze kam bereits im Topf, und erst vor kurzem klappte die Vermehrung durch Aussaat (siehe "Taublatt-Tagebuch" ein paar Zeilen tiefer). In der Literatur werden sandige, lockere Mischungen aus einem geringen Anteil an Torf, Quarzsand und/oder Perlite vorgeschlagen. Das Substrat darf natürlich nicht gedüngt sein!


Das Taublatt-Tagebuch

Endlich! Ich war schon drauf und dran, die Töpfe mit der Drosophyllum-Aussaat aufzugeben, da wagte es doch tatsächlich das erste Pflänzchen, seine Keimblätter dem Licht der Welt entgegenzustrecken. Fortan werde ich den Werdegang des jungen Taublatts auf dieser Seite in Wort und Bild festhalten.


Weitere Pflanzen mit Klebefallen:

 

Pflanzen mit anderen Fallentypen:

Drosera, der Sonnentau   Cephalotus, der Zwergkrug
Pinguicula, das Fettkraut   Darlingtonia, die Kobralilie
Roridula, die halbkarnivore Taupflanze   Dionaea, die Venusfliegenfalle
  Heliamphora, der Sumpfkrug
  Nepenthes, die tropische Kannenpflanze
  Sarracenia, die Schlauchpflanze

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